Die 12 häufigsten Deutsch-Fehler von Arabischsprachigen und wie du sie vermeidest
Bestimmte Fehler machen fast alle, deren Muttersprache Arabisch ist. Das liegt nicht an dir, sondern an den Unterschieden zwischen den Sprachen. Hier erkläre ich die zwölf häufigsten, woher sie kommen und wie der Satz richtig heißt.

Ich habe Deutsch selbst als Arabischsprachige gelernt und kenne diese Fehler aus eigener Erfahrung und aus dem Unterricht. Bestimmte Fehler tauchen immer wieder auf. Das ist kein Zeichen von Schwäche: Diese Fehler entstehen, weil Arabisch an vielen Stellen anders funktioniert. Wer weiß, woher ein Fehler kommt, kann ihn gezielt abstellen. Hier sind die zwölf häufigsten, jeweils mit falschem und richtigem Beispiel.
1. Den Artikel weglassen oder raten
Im Arabischen gibt es nur „al-“ und zwei Geschlechter. Im Deutschen hat jedes Nomen einen von drei Artikeln, und er ändert sich mit dem Fall. Viele lassen ihn deshalb ganz weg. Mehr dazu: der, die, das für Arabischsprachige.
2. Das Verb steht nicht an Position 2
Im Arabischen kann der Satz mit dem Verb beginnen. Im deutschen Aussagesatz steht das konjugierte Verb immer an Position 2, auch wenn der Satz mit einer Zeitangabe beginnt. Mehr dazu: Verb auf Position 2.
3. Das Verb im Nebensatz nicht ans Ende stellen
Nach weil, dass, wenn oder ob wandert das konjugierte Verb ans Satzende. Im Arabischen gibt es diese Regel nicht.
4. „sein“ weglassen
Im Arabischen sagt man „أنا تعبان“ ohne Verb. Im Deutschen braucht jeder Satz ein Verb, hier eine Form von sein.
5. haben und sein im Perfekt verwechseln
Die meisten Verben bilden das Perfekt mit haben. Verben der Bewegung und der Veränderung, etwa gehen, fahren, kommen, aufstehen, nehmen sein. Mehr dazu: Perfekt mit haben oder sein.
6. p und b verwechseln
Im Arabischen gibt es kein p. Deshalb wird aus „Paket“ schnell „Baket“. Das p wird mit einem kleinen Luftstoß gesprochen. Halte ein Blatt Papier vor den Mund: Bei p bewegt es sich. Mehr dazu: Aussprache für Arabischsprachige.
7. e und i, o und u verwechseln
Das Arabische hat nur drei Grundvokale. Deutsch hat viel mehr, und sie unterscheiden Wörter: Miete und Mitte, bitten und beten, Ofen und offen.
8. Den Plural falsch bilden
Im Deutschen gibt es mehrere Pluralendungen: -e, -er, -n, -en, -s oder gar keine, oft mit Umlaut. Eine einzige Regel gibt es nicht. Lerne deshalb jedes Nomen mit Artikel und Plural.
9. Nomen kleinschreiben
Im Arabischen gibt es keine Groß- und Kleinschreibung. Im Deutschen schreibt man alle Nomen groß, nicht nur Namen. In Prüfungen und Briefen fällt das sofort auf.
10. Sie und du verwechseln
Im Arabischen sagt man oft „أنت“ zu allen. Im Deutschen sprichst du Fremde, Ärzte und Behörden mit Sie an, Freunde, Familie und Kinder mit du. Sie schreibt man immer groß.
11. Präpositionen wörtlich übersetzen
Präpositionen passen selten eins zu eins. „أنا في الشغل“ wird nicht „in der Arbeit“, sondern meist „bei der Arbeit“; „إلى الطبيب“ wird „zum Arzt“, nicht „nach Arzt“. nach benutzt man für Städte und Länder ohne Artikel. Mehr dazu: Akkusativ und Dativ.
12. Zeitformen vermischen
Viele erzählen über die Vergangenheit im Präsens oder mischen die Zeiten. Im gesprochenen Deutsch erzählt man Vergangenes meist im Perfekt, bei sein und haben im Präteritum.
Warum diese Fehler so hartnäckig sind
Viele Lernende sagen: „Ich kenne die Regel, aber beim Sprechen mache ich den Fehler trotzdem.“ Das ist normal. Beim Sprechen denkt dein Kopf schnell, und dann übernimmt die Muttersprache. Gegen diese Fehler hilft deshalb nicht noch mehr Grammatik, sondern Wiederholung: dieselben Sätze so oft richtig sagen, bis sie automatisch kommen.
Ein gutes Beispiel ist die Verbposition. Im Arabischen kann ein Satz mit dem Verb oder mit dem Subjekt anfangen, beides ist normal. Im Deutschen gibt es diese Freiheit nicht. Wer ein paar feste Satzanfänge auswendig lernt, zum Beispiel Heute gehe ich …, Am Wochenende habe ich …, Danach bin ich …, macht den Fehler bald nicht mehr. Viele Fehler entstehen auch, weil man ganze Ausdrücke wörtlich übersetzt, etwa „Ich habe 30 Jahre.“ statt Ich bin 30 Jahre alt. Solche Fälle sammle ich im Artikel typische Übersetzungsfehler Arabisch–Deutsch.
Checkliste für Briefe und E-Mails
In der DTZ-Prüfung und im Alltag schreibst du Nachrichten an Vermieter, Schule oder Amt. Lies deinen Text vor dem Abschicken mit dieser Liste:
- Steht in jedem Hauptsatz das Verb an Position 2?
- Steht nach weil, dass und wenn das Verb am Ende?
- Hat jedes Nomen einen Artikel?
- Sind alle Nomen großgeschrieben?
- Passt die Anrede: Sie und Ihnen bei fremden Personen, groß geschrieben?
- Hat jeder Satz ein Verb, auch Sätze mit müde, krank oder zufrieden?
- Stimmt die Zeitform, wenn du über gestern oder letzte Woche schreibst?
- Gibt es einen Gruß am Anfang und am Ende?
Wie ein guter DTZ-Brief aufgebaut ist, zeige ich im Artikel DTZ Schreiben B1.
So übst du gegen diese Fehler
- Nicht alle auf einmal: Such dir pro Woche einen Fehler aus und achte nur auf ihn.
- Schreib kurze Texte und lies sie mit einer Checkliste: Artikel? Verb auf Position 2? Nomen groß?
- Lerne Nomen immer als Paket: Artikel, Wort, Plural, zum Beispiel der Termin, die Termine.
- Hol dir Rückmeldung. Viele Fehler bemerkt man selbst nicht. Eine Lehrerin, die Arabisch spricht, erkennt sofort, woher ein Fehler kommt.
Wenn du wissen willst, welche dieser Fehler bei dir noch vorkommen, mach den Einstufungstest. Die 60 Redemittel für die mündliche Prüfung findest du unter Downloads, und im Einzelunterricht arbeiten wir genau an deinen Fehlern. Die Preise stehen unter Preise.
Übung: Finde den Fehler
In jedem Satz steckt ein typischer Fehler. Schreib den Satz richtig.
- Heute ich arbeite bis 18 Uhr.
- Ich bin gestern im Supermarkt gegangen.
- Meine Tochter krank.
- Ich rufe an, weil ich habe eine Frage.
- ich brauche einen termin.
- Ich warte auf dem Bus.
- Haben Sie Zeit? Kannst du mir helfen? (zur Ärztin)
- Ich suche Wohnung in Köln.
Lösungen anzeigen
- Heute arbeite ich bis 18 Uhr.
- Ich bin gestern in den Supermarkt gegangen. (Richtung: Akkusativ)
- Meine Tochter ist krank.
- Ich rufe an, weil ich eine Frage habe.
- Ich brauche einen Termin.
- Ich warte auf den Bus.
- Haben Sie Zeit? Können Sie mir helfen?
- Ich suche eine Wohnung in Köln.
Häufige Fragen
Welcher Fehler ist am wichtigsten?
Die Verbposition. Ein falscher Artikel stört das Verstehen selten, ein Verb an der falschen Stelle dagegen oft. Außerdem achten Prüfer bei B1 auf den Satzbau.
Werde ich diese Fehler je ganz los?
Viele verschwinden mit regelmäßigem Üben fast ganz. Artikel bleiben für viele lange schwierig. Wichtig ist, dass man dich gut versteht, nicht dass du fehlerfrei bist.
Hilft es, wenn die Lehrerin Arabisch spricht?
Ja, vor allem bei diesen Fehlern. Wer beide Sprachen kennt, kann erklären, warum ein Fehler entsteht, und nicht nur, dass er falsch ist.
Soll ich zuerst Grammatik lernen oder zuerst sprechen?
Beides gleichzeitig. Eine kurze Regel verstehen, dann sofort in Sätzen benutzen. Wer nur Regeln lernt, kann sie beim Sprechen nicht abrufen. Wer nur spricht, wiederholt seine Fehler.
Wie merke ich, welche Fehler ich selbst mache?
Nimm dich beim Sprechen mit dem Handy auf oder lass dir deine Texte korrigieren. Die meisten Menschen haben drei bis fünf Fehler, die immer wieder kommen. Genau an diesen lohnt sich die Arbeit.
Quellen: Eigene Unterrichtserfahrung. Die Grammatikregeln entsprechen dem Standarddeutsch; zum Nachschlagen eignen sich die Grammatikübersichten des Goethe-Instituts und das Duden-Wörterbuch (duden.de) für Artikel und Pluralformen.
Wir arbeiten an deinen Fehlern, nicht an allen
Im kostenlosen Kennenlerngespräch sprichst du kurz Deutsch mit mir, und ich sage dir, welche zwei Fehler du zuerst angehen solltest.