Deutsch lernen von null: ein realistischer Plan für die ersten 90 Tage

Du kannst noch kein Wort Deutsch und weißt nicht, wo du anfangen sollst? Das ist völlig normal. Hier findest du, was du zuerst lernst, einen Plan für die ersten drei Monate, eine Tagesroutine, die neben Arbeit und Familie funktioniert, und die Fehler, an denen viele am Anfang scheitern.

Junge Frau mit Kopfhörern beginnt am Laptop, Deutsch zu lernen

Das Wichtigste in Kürze

  • Beginne mit Aussprache und Alltagssätzen, nicht mit langen Grammatiklisten.
  • Lerne jedes Nomen vom ersten Tag an mit Artikel: der Tisch, die Tür, das Buch.
  • Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer: 30 Minuten jeden Tag sind besser als drei Stunden einmal pro Woche.
  • Sprich ab der ersten Woche laut, auch wenn du allein bist.
  • Ein realistisches Ziel für die ersten 90 Tage: solide Grundlagen auf A1, nicht mehr und nicht weniger.

Was ist in 90 Tagen realistisch?

Das Goethe-Institut nennt als Richtwert für das Niveau A1 insgesamt etwa 60 bis 150 Lernstunden, wenn man bei null beginnt. Gemeint ist echte Lernzeit: Unterricht und eigenes Üben zusammen. Mehr dazu im Artikel Wie lange dauert es von A1 bis B1?

Wenn du ungefähr eine Stunde pro Tag lernst, kommst du in drei Monaten auf etwa 90 Stunden. Das liegt innerhalb dieses Rahmens. Wer 30 Minuten am Tag lernt, schafft die Hälfte. Versprich dir also nicht B1 in drei Monaten, sondern setz dir ein Ziel, das du wirklich erreichen kannst. Nach 90 Tagen regelmäßigen Lernens können viele:

  • sich vorstellen: Name, Herkunft, Wohnort, Beruf, Familie,
  • Zahlen, Preise und Uhrzeiten verstehen und sagen,
  • einfache Fragen im Geschäft, beim Arzt oder auf der Straße stellen und beantworten,
  • sehr kurze Texte lesen und ein Formular mit Name und Adresse ausfüllen.

Sei ehrlich mit dir: Die Zahlen sind Richtwerte, und Menschen lernen unterschiedlich. Wer schon Französisch oder Englisch gelernt hat oder jeden Tag Deutsch hört, kommt oft schneller voran. Wichtig ist nicht das Tempo, sondern dass du nicht aufhörst.

Was lerne ich zuerst?

Die Reihenfolge macht einen großen Unterschied. Viele beginnen mit komplizierter Grammatik und geben nach zwei Wochen auf, weil sie noch keinen einzigen Satz sagen können. Diese Reihenfolge hat sich bei Anfängern bewährt:

SchrittThemaBeispiel
1Buchstaben und Ausspracheä, ö, ü, ß, ch, sch
2Begrüßung und sich vorstellenIch heiße Amina.
3Zahlen, Uhrzeit und PreiseDas kostet drei Euro.
4Nomen mit Artikelder Tee, die Milch, das Brot
5Grundverben im Präsenssein, haben, wohnen, kommen
6Das Verb auf Position 2Heute arbeite ich.
7FragewörterWer? Was? Wo? Wann? Wie?
8AlltagssituationenIch möchte bitte …

Zu jedem Schritt gibt es einen eigenen Artikel: das deutsche Alphabet und die Aussprache, die wichtigsten deutschen Wörter für Anfänger, die Konjugation im Präsens und der, die, das.

Was für Arabischsprachige leicht und was schwer ist

Was dir hilft

  • Bekannte Laute: Das „ch“ in „Bach“ und „acht“ klingt fast wie das arabische خ. Und viele Deutsche sprechen das „r“ hinten im Rachen, ähnlich wie غ.
  • Man liest meistens, wie man schreibt: Wenn du die wichtigsten Ausspracheregeln kennst, kannst du die meisten Wörter lesen.
  • Französisch und Englisch: Wer eine der beiden Sprachen kann, erkennt Wörter wie Information, Telefon oder Problem.

Worauf du achten musst

  • Die Vokale: „ö“ und „ü“ gibt es im Arabischen nicht, und der Unterschied zwischen „e“ und „i“ oder „o“ und „u“ verändert die Bedeutung.
  • Drei Artikel: der, die, das statt des einen arabischen „الـ“. Und das Genus passt nicht immer zum Arabischen.
  • Nomen schreibt man groß: das Haus, die Arbeit.
  • Das Pronomen fällt nicht weg: Im Arabischen sagt man „أسكن في برلين“ ohne „ich“. Im Deutschen braucht der Satz das Pronomen: Ich wohne in Berlin.

Die schwierigen Laute erkläre ich ausführlich im Artikel Aussprache für Arabischsprachige.

Der 90-Tage-Plan Schritt für Schritt

Tag 1 bis 30: Laute und erste Sätze

  • Buchstaben und Aussprache, jeden Tag kurze Wörter hören und laut nachsprechen.
  • Begrüßung und Vorstellung: Name, Herkunft, Wohnort, Sprachen.
  • Zahlen von 0 bis 100, Wochentage, einfache Uhrzeiten.
  • Die Verben sein, haben, heißen, wohnen und kommen.
  • Etwa 10 neue Wörter pro Tag, immer mit Artikel.

Am Ende des Monats: Du kannst dich in fünf oder sechs Sätzen vorstellen, ohne vom Zettel abzulesen.

Tag 31 bis 60: der Alltag

  • Alltagsthemen: Essen und Trinken, Einkaufen, Familie, Wohnen, Arbeit.
  • Die Konjugation regelmäßiger Verben und erste Verben mit Vokalwechsel wie fahren und essen.
  • Das Verb auf Position 2, W-Fragen und Ja-Nein-Fragen.
  • „Ich möchte“ und „Ich kann“ für höfliche Bitten.
  • Zweimal pro Woche die Wörter aus dem ersten Monat wiederholen.

Am Ende des Monats: Du kannst etwas kaufen, nach dem Preis fragen, nach dem Weg fragen und einfach über deinen Tag sprechen.

Tag 61 bis 90: festigen und frei sprechen

  • Ganze Situationen: einen Termin vereinbaren, telefonieren, ein Formular ausfüllen.
  • Trennbare Verben wie anrufen und einkaufen, die Verneinung mit „nicht“ und „kein“.
  • Kurze Nachrichten schreiben: an einen Freund oder eine Absage für einen Termin.
  • Jede Woche ein kurzes Gespräch mit einer Person, die Deutsch spricht, oder mit einer Lehrerin.
  • Zum Schluss: ein Einstufungstest, damit du weißt, wo du wirklich stehst.

Am Ende des Monats: Du kommst in einfachen Situationen zurecht und weißt, was dir noch fehlt, um A1 abzuschließen oder mit A2 zu beginnen.

Eine Tagesroutine von 30 bis 60 Minuten

Das Wichtigste: Die Routine muss klein genug sein, dass du sie jeden Tag schaffst, auch an anstrengenden Tagen. Hier ein Beispiel für 30 Minuten. Wer mehr Zeit hat, verdoppelt jeden Teil:

DauerAktivitätBeispiel
5 MinutenWörter von gestern wiederholenKarteikarten oder ein Heft mit zwei Spalten
10 MinutenEtwas Neueseine kurze Lektion, eine Regel, 10 Wörter
10 MinutenHören und nachsprecheneinen kurzen Dialog hören und Satz für Satz wiederholen
5 MinutenLaut sprechendrei Sätze über deinen Tag, mit dem Handy aufnehmen

Tipp: Verbinde das Lernen mit einer festen Gewohnheit: nach dem Morgengebet, beim ersten Kaffee oder in Bus und Bahn. So musst du nicht jeden Tag neu entscheiden.

Wenn du arbeitest und Kinder hast, findest du ausführliche Wochenpläne im Artikel Lernplan neben Arbeit und Familie.

Die ersten Sätze, die du brauchst

Diese Sätze brauchst du fast überall. Auf der arabischen Seite steht eine ungefähre Aussprache in arabischen Buchstaben. Sie ist nur eine Hilfe für den Anfang. Besser ist es immer, den Satz zu hören und nachzusprechen.

Guten Tag! Ich heiße Amina.مرحباً! اسمي أمينة. (تقريباً: ڭوتن تاك! إِشْ هايْسَه أمينة)
Ich komme aus Marokko. Ich wohne in Köln.أنا من المغرب. أسكن في كولونيا. (تقريباً: إِشْ كومَه آوس ماروكّو. إِشْ ڤونَه إِن كولن)
Ich lerne Deutsch. Ich spreche noch nicht gut.أتعلّم الألمانية. ما زلت لا أتكلّم جيداً.
Können Sie das bitte wiederholen?هل يمكنك أن تعيد ذلك من فضلك؟
Langsamer, bitte. Ich verstehe das nicht.ببطء أكثر من فضلك. لا أفهم هذا.
Was bedeutet das auf Deutsch?ماذا يعني هذا بالألمانية؟

Darija-Tipp: Das „g“ ist mit „ڭ“ geschrieben, wie man es in der marokkanischen Darija schreibt. Das deutsche „w“ klingt wie das französische „v“, deshalb steht dort „ڤ“.

Mehr Sätze für den Alltag findest du im Artikel Begrüßung und sich vorstellen.

Typische Anfängerfehler

  • Wörter ohne Artikel lernen. Wer nur „Tisch“ lernt, muss das Wort später noch einmal lernen. Lerne immer „der Tisch“.
  • Wort für Wort aus dem Arabischen übersetzen. „عمري 30 سنة“ heißt nicht „Ich habe 30 Jahre“, sondern: Ich bin 30 Jahre alt.
  • Nur leise lesen. Wer zu Hause nicht spricht, spricht auch auf der Straße nicht. Sag jeden neuen Satz laut.
  • Viele Apps gleichzeitig. Eine Hauptquelle, also ein Buch oder ein klarer Kurs, ist besser als fünf Apps, die alle wieder bei null anfangen.
  • Angst vor Fehlern. Fehler gehören am Anfang dazu. Die Leute verstehen dich meistens trotzdem und schätzen es, dass du es versuchst.
  • Nach einer schweren Woche aufhören. Jeder hat Tage, an denen nichts vorangeht. Verkürze die Routine auf 10 Minuten, aber hör nicht auf.

Mehr dazu im Artikel typische Fehler von Arabischsprachigen.

Wann hilft Unterricht?

Du kannst allein anfangen. Gute kostenlose Quellen findest du im Artikel Deutsch kostenlos lernen. Unterricht mit einer Lehrerin hilft dir vor allem in diesen Fällen:

  • Du verstehst eine Regel nicht, obwohl du sie mehrmals gelesen hast, und brauchst eine Erklärung auf Arabisch.
  • Deine Aussprache braucht Korrektur, denn Aussprachefehler festigen sich schnell, wenn niemand sie korrigiert.
  • Du verstehst viel, traust dich aber nicht zu sprechen.
  • Du lernst ohne klare Reihenfolge und weißt nicht, was als Nächstes kommt.
  • Du hast ein Ziel mit festem Termin, zum Beispiel die A1-Prüfung für das Visum.

In meinem Einzelunterricht erkläre ich auf Hocharabisch, auf marokkanischer Darija oder auf Deutsch, so wie es für dich am besten passt. Wenn du dich auf eine Prüfung vorbereitest, lies auch den Artikel Start Deutsch A1.

Häufige Fragen

Kann ich Deutsch allein von null lernen?

Ja, du kannst allein mit einem Buch oder einem kostenlosen Kurs und einer festen Tagesroutine anfangen. Viele brauchen aber nach einiger Zeit jemanden, der Aussprache und Fehler korrigiert und mit ihnen spricht.

Wie viele Stunden am Tag sollte ich lernen?

30 Minuten am Tag sind für Berufstätige ein sehr guter Anfang. Wer mehr Zeit hat, kommt mit einer Stunde täglich deutlich voran. Am wichtigsten ist, dass du fast jeden Tag lernst.

Fange ich mit Grammatik oder mit Wörtern an?

Beginne mit Alltagssätzen und wichtigen Wörtern und lerne die Grammatik Schritt für Schritt dazu. Eine kleine Regel mit Beispielen, die du sofort benutzt, ist besser als eine lange Tabelle, die du nur auswendig lernst.

Ist Deutsch für Arabischsprachige schwer?

Es gibt Schwierigkeiten wie der, die, das und einige Vokale. Manches ist aber auch leichter, zum Beispiel der ch-Laut, der fast wie خ klingt, und die Schrift, die man meistens so liest, wie man sie schreibt.

Kann ich A1 in drei Monaten schaffen?

Mit regelmäßigem Lernen von etwa einer Stunde pro Tag erreichen viele in drei Monaten eine gute Grundlage auf A1. Wer weniger lernt, braucht länger, und das ist normal.

Wann sollte ich mit Unterricht beginnen?

Du kannst am ersten Tag beginnen, vor allem wenn du Erklärungen auf Arabisch brauchst. Wer allein angefangen hat, profitiert vom Unterricht, wenn er nicht mehr vorankommt, Angst vor dem Sprechen hat oder sich auf eine Prüfung vorbereitet.

So geht es weiter

Du beginnst bei null? Dann schau dir den Unterricht auf A1 an. Wenn du schon ein paar Wörter kannst, zeigt dir der kostenlose Einstufungstest, wo du stehst. Passend dazu: Deutsch lernen mit Darija.

Deutsch von null, mit Erklärungen, die du verstehst

Im kostenlosen Kennenlerngespräch sprechen wir über dein Ziel und deine Zeit, und ich schlage dir einen realistischen Start vor, der zu deinem Leben passt.